Bipolar und Haustier?!

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Eine Freundschaft für alle Stimmungslagen

Wie reagiert mein Tier auf meine Gemütslagen? Bekommt es meine Emotionen mit und kann es mir vielleicht sogar dabei helfen, innerlich ausgeglichener zu sein?

Zu diesem spannenden Thema habe ich eine liebe Coaching-Kollegin von mir, Nathalie „Gazpacha“ Karg, schriftlich interviewt. Nathalie ist eine kreative Muse und lebt ihre vielseitigen Talente auf mehreren eigenen Blogs sowie als Autorin, Tänzerin, Kommunikationsdesignerin, beim Flamenco-Tanzen und -Singen sowie neuerdings auch als Speakerin bzw. Edutainerin auf der Bühne aus.

Als Coach begleitet sie Menschen in den Bereichen, in denen sie aufgrund ihrer eigenen Lebenserfahrungen inzwischen eine Expertin ist. Zum einen hilft sie ihnen dabei, das eigene Wohlfühlgewicht zu finden und mit ihrem Körper in Harmonie zu sein und zum anderen dabei, mit den eigenen Stimmungsschwankungen in Einklang zu kommen.

Vor 22 Jahren wurde bei Nathalie die Diagnose bipolar gestellt. Was bedeutet das genau? Auf ihrer Website erklärt sie, dass Stimmungsschwankungen an sich nichts Ungewöhnliches sind. Jeder ist mal schlecht drauf, ausgebrannt oder ganz im Gegenteil vor Freude überdreht oder verliebt. Mit bipolar sind hingegen die beiden gegensätzlichen pathologischen Stimmungen Manie und Depression gemeint, wobei diese Extreme wie Amplituden ausschlagen, also von einem direkt ins andere übergehen können, und das deutlich heftiger als bei anderen Menschen. Wenn man diese Diagnose hat, ist es also eine besondere Herausforderung, trotz allem bzw. umso mehr immer wieder die eigene Mitte zu finden und mit den Schwankungen seinen Frieden zu schließen. Auch als Angehörige kennt sich Nathalie mit dieser Thematik aus.

Und dann ist da noch die vorwitzige Elo Hündin Lucie, die Nathalie und ihren Mann begleitet und mit ihnen ein unschlagbares Team bildet. Da ich weiß, dass die drei ihr zuweilen turbulentes Leben ganz gut meistern, hat es mich sehr interessiert, was Nathalie meinen Lesern über ihren Alltag mit Stimmungsschwankungen, Mann, Kunst und Hund berichten kann.

Da ich bereits öfter über meine eigenen Erfahrungen mit den Reaktionen der Haustiere auf ihre Menschenfreunde geschrieben habe, sehe ich ihren Bericht als eine gute Ergänzung und Erweiterung meiner Artikel an!

Wer gerne mehr über Nathalie erfahren möchte, kann sich hier schlau machen: www.muse4u.de

Hier also das Interview

Liebe Nathalie, Danke, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst! Du hattest ja bereits vor Lucie eine Hündin, die dich begleitet hat und dann leider gestorben ist. Wie seid ihr denn damals auf die Idee gekommen, einen Hund zu euch zu nehmen? Habt ihr etwas Besonderes beachtet bei der Wahl für einen tierischen Begleiter oder war es eine ganz intuitive Entscheidung?

Ich bin mit Hund aufgewachsen, unser Familienhund, ein verschmuster, geduldiger Welsh-Terrier kam in mein Leben als ich 8 Jahre jung war und starb, als ich 23 Jahr alt war. Also kurz vor Ausbruch und Diagnose meiner so genannten Krankheit. Seither wartete ich auf eine Gelegenheit, wieder einen Hund in meinem Leben haben zu können. Die bot sich, als ich 2001 meinen heutigen Mann kennenlernte, der schon immer davon träumte, Hundeherrchen zu sein. Glücklicherweise ist er selbständig und kann selbst entscheiden, dass Hunde in seinem Büro zugelassen sind. Ich war gerade Tante geworden und meine Schwester bestand darauf, dass wir nur eine garantiert kinderliebe Rasse aussuchen. Meinem Mann war ein Welsh-Terrier zu klein, also googelte ich nach einem Schmusehund mit perfekten Charaktereigenschaften. Und stieß auf den Elo, ursprünglich eine Kreuzung aus Eurasier und Bobtail. Entsprechend gibt es zwei optische Ausprägungen bei den Elos. Leonie, unsere erste Hündin, ähnelte mehr dem Eurasier. Sie war sehr sanft. Leider starb sie mit nur zehn Jahren an doppeltem Nierenversagen.

Wir hatten so gute Erfahrungen mit Dr. Leonie, wie wir sie oft nannten, gemacht  – sie war immer für uns da, absorbierte unsere Stimmungen, so gut es ging, glich aus, erheiterte, tröstete, beruhigte, je nach dem was nötig war. Da war klar, dass schnellstmöglich eine neue Elohündin bei uns einziehen sollte.

Ein Leben ohne Hund? Da gehen wir vor die Hunde…

Es ging schnell. Leonie starb Ende November und bereits Anfang Januar hielt ich wieder ein kleines Welpie auf dem Schoss. Natürlich sind die Hunde von uns kinderlosem Ehepaar auch Kindersatz. Mein zweites Baby eroberte uns im Sturm. Sie ist viel lebhafter und sehr, sehr lustig. Schmusen und Stimmungen absorbieren bzw. ausgleichen kann sie auch perfekt. Sie bringt mich immer zum Lachen, egal wie es mir geht. Und sie hat ihren eigenen Kopf.

Welche Vor- und welche Nachteile hat aus deiner Sicht das Leben mit einem Hund, wenn man bipolar ist? Gibt es etwas, das man besonders beachten sollte?

Man muss ein gutes Netz haben, Menschen, die notfalls für den Hund da sind, denn in die Psychiatrie darf man leider keine Hunde mitnehmen. Ein grober Behandlungsfehler!

Auch wenn man ohne Hund verreist oder eine längere Veranstaltung besucht, braucht man einen vertrauenswürdigen Hundesitter. Und die Mittel, diesen zu zahlen. Oder nette Familienmitglieder oder Freunde.

Egal, wie man drauf ist, der Hund hat seine Bedürfnisse – muss raus, muss fressen – und zwar regelmäßig! Das wiederum, nämlich Verantwortung und Regelmäßigkeit, ist nebenbei auch heilsam für den bipolaren Hundebesitzer!

Wenn das alles klar geht, gibt es für den Menschen, ob bipolar oder nicht, aus meiner Sicht nur Vorteile beim Zusammenleben mit einem vierbeinigen Fellfreund!

Würdest du sagen, dass Lucie so etwas wie zusätzliche „Medizin“ für dich und deinen Mann ist?

Unbedingt. Unbedingt. Neben der Verantwortung und Regelmäßigkeit sorgt ein Hund für viel frische Luft und schenkt etwas, das sich wie bedingungslose Liebe anfühlt. Da kann kein Medikament mithalten.

Reagiert Lucie anders auf dich, wenn du eine manische als wenn du eine depressive Phase hast?

Dr. Lucie ist immer da. Sucht oft meine Nähe. Wenn ich ihr zu ausgeflippt bin, geht sie auch mal weg. Hingegen, wenn wir meditieren, genießt sie die Ruhe merklich und legt sich immer ganz nah dazu.

Es hat sich bereits sehr viel in deinem Leben getan. Du hast inzwischen gute Wege für dich gefunden, mit der bipolaren Störung trotz allem (oder gerade deswegen?) ein glückliches und erfülltes Leben zu führen. Außerdem begleitest du ja auch andere dabei, ihre innere Mitte zu finden. Hat sich Lucie in dieser Zeit mit dir zusammen verändert?

Danke für die Formulierung dieser Frage. Ja, manchmal auch gerade deswegen. So ist das mit den Geschenken, an denen wir wachsen.

Ob Lucie sich verändert hat? Hm, sie ist jetzt vier und wir warten immer noch darauf, dass sie vielleicht ein klein wenig ruhiger wird…

 

Was macht das Zusammenleben mit Lucie für dich so besonders? Ich weiß, dass sie bei euch ziemlich gut integriert und einfach ein Teil eurer kleinen Familie ist, ja, sie hat sogar einen eigenen Facebook Account. Kannst du vielleicht eine lustige Anekdote aus eurem gemeinsamen Alltag erzählen?

Lucie heißt nicht umsonst so. Sie ist sowohl unsere Lichtbringerin als auch unser kleines Teufelchen. Sie ist ein Geschenk! Erst mit einem dritten Wesen in unserer Mitte fühlen mein Mann und ich uns wie eine vollständige kleine Familie. Ohne Lucie wäre alles nur halb so lustig. Wenn sie (was) will, ist sie sehr präsent!

Gerne erzähle ich zwei Dinge, die Lucie und wir immer machen. Erstens: Beim Füttern darf sie neben dem Napf stehen, wenn er gefüllt wird, dann jedoch muss sie erst „raus aus der Küche“. Das tut sie. Jedoch bewegt sie sich unter großem Krawall und Gebell, dabei meterhoch rückwärts hüpfend hinaus vor den Kücheneingang. Auf „mjamjam“ darf sie zum Napf. Dabei drehen ihre Füße zunächst auf der Stelle durch wie bei einer Comicfigur… Das bringt mich IMMER zum Lachen.

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Zweitens: Sie kann „Pfötchen“. „Give me five“. Und „Give me ten“. Letzteres hat sie selbst erfunden, weil sie sowohl sehr verfressen als auch mindestens so ungeduldig ist wie ihr Frauchen. (Spiegel?)

Hast du noch einen besonderen Tipp für Bipolare mit Tier oder gibt es sonst noch etwas, das für meine Leser interessant sein könnte?

Der Elo eignet sich auch als Behindertenhund. Lucie wurde mal von einer Hundesitterin mitgenommen zu deren Arbeitsstelle in einer Behindertenschule. Es hieß, Lucie hätte besser mitgearbeitet als die eigenen, speziell ausgebildeten Hunde der Sitterin. Und die Kinder mochten sie sofort. Klar, so hell und flauschig. Und frech – was sie schon wegen ihren Ohren nicht verbergen kann: eines steht, eines hängt. Das passt zu ihr. Sowohl als auch. Und das passt wiederum zu uns 😉

Vielen Dank, Nathalie!

Nun denn, ich wünsche Dr. Lucie und ihren beiden Menschenfreunden noch eine bewegte Zeit zusammen!

 

Wenn auch du wissen möchtest, warum dein Tier auf deine Gemütslage in einer bestimmten Art und Weise reagiert, dann meld dich gern bei mir für eine Einzelsitzung!

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