Konflikt oder Potential?

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So hilfst du deinem Tier, sich aus einer Problemsituation heraus weiterzuentwickeln

Kennst du das? Eine Konfliktsituation schaukelt sich hoch und irgendwann siehst du in deinem Gegenüber nur noch das, was dich an ihm stört. Vielleicht geht es darum, wer in der Wohngemeinschaft den bereits stinkenden Müll hätte raustragen müssen oder ein Bekannter kommt grundsätzlich zu spät und du ärgerst dich jedes Mal, wenn du auf ihn warten musst. Selbst wenn es sich eigentlich um einen guten Freund handelt: Die Problemsituation schafft eine gewisse geistige Distanz zwischen euch. Das, was euch eigentlich verbindet (das Potential eurer Beziehung, z.B. gemeinsames Lachen, Sympathie und emotionale Nähe), gerät immer mehr in Vergessenheit. Stattdessen nimmt diese eine Sache so viel Platz ein, dass du dich jedes Mal innerlich aufregst oder traurig bist, wenn du nur an deinen Freund denkst.

Du fragst dich jetzt sicherlich: Ja, aber was hat das Ganze mit meinem Haustier zu tun? Sehr viel! Denn ist dein Vierbeiner nicht auch dein Freund? Sogar einer, mit dem du sehr viel Zeit verbringst. Auch mit unseren Tieren kann es vorkommen, dass wir vergessen, was uns eigentlich mit ihnen verbindet und wie viel Spaß wir gemeinsam haben könnten. Immer dann, wenn ein problematisches Verhalten des tierischen Begleiters so sehr in unser Bewusstsein rückt, dass wir uns fast nur noch darauf fokussieren und uns darüber Sorgen machen. Plötzlich hast du nicht mehr ein Haustier, sondern ein „Problemtier“ an deiner Seite.

Aber wird es wirklich besser, wenn dein Hund bettelt oder an der Leine zieht, dein Pferd manchmal nach dir schnappt, deine Katze öfter an der Tapete kratzt oder in die Wohnung markiert und du darüber jedes Mal wütend bist? Ist es nicht viel mehr so, dass ihr euch dadurch sogar noch mehr voneinander entfernt? Wenn du meinen Artikel Mensch und Tier – wie lassen sich Probleme lösen? gelesen hast, dann weißt du bereits, dass Haustiere stark auf die Emotionen ihrer Menschen reagieren. Daraus kann dann eine Art Teufelskreis entstehen: Dein Vierbeiner hat sich aus irgendeinem Grund eine für dich unerwünschte Marotte angeeignet (vielleicht auch als Reaktion auf deine Gemütslage?), du bestärkst dieses Verhalten, indem du dagegen angehen möchtest (alles, wogegen wir kämpfen, wird stärker, denn wir schenken ihm unsere Aufmerksamkeit) und dein Tier macht weiter damit. Das wiederum macht dich noch wütender, trauriger etc. …

Potential – die Chance deines Tiers, sich weiterzuentwickeln

Hund PotentialWie kannst du als der- oder diejenige, die dieses Spiel nun durchschaut hat, also aus diesem Teufelskreis aussteigen? Mache dir noch einmal bewusst, was du an deinem Tier so sehr liebst! Warum hast du es ursprünglich zu dir genommen? Welches ganz besondere Band verbindet euch? Welche positiven Eigenschaften hat es und welches Potential trägt es in sich?

Moment einmal … Potential?! Machen wir jetzt hier Business Coaching mit deinem Hund, oder was? Nein, doch dieser Begriff ist genauso gut auf Haustiere anwendbar wie auf Menschen. Denn Potential (lat. potentia = Stärke, Macht) bedeutet nichts anderes als noch nicht ausgeschöpfte Möglichkeiten, also eine Möglichkeit zu innerem Wachstum.

Viele Tierhalter machen folgenden Fehler: Sie sind zu wenig im intuitiven Austausch mit ihrem Tier. Gerade, wenn du einen Welpen oder ein Kitten zu dir genommen hast, kann es schnell passieren, dass du in deinem Tier auch später noch das kleine tapsige und unbeholfene Tierbaby siehst, selbst wenn es irgendwann ausgewachsen ist. Gestehe deiner Fellnase zu, dass sie sich genauso wie du selbst auch weiterentwickelt, wenn auch auf eine „tierische“ Art. Je größer dein Gespür für deinen Begleiter wird, desto leichter wirst du erkennen, wie sein ganz typischer Charakter ist. Dann spürst du auch, welche Bedürfnisse dein Tier hat und wie du sie ihm auf eine Art erfüllen kannst, die gut für euch beide ist. Du siehst, welche Anlagen und welche noch nicht ausgeschöpften Möglichkeiten in ihm stecken (wie du dich noch mehr für die intuitive Kommunikation mit deinem Tier öffnen kannst, erfährst du hier. Oder melde dich einfach bei mir!). Vielleicht ist es Zeit, einmal etwas ganz Neues mit deinem Tier auszuprobieren, um ihm die Möglichkeiten zur Entfaltung zu geben?

Hinter jedem Konflikt liegt ein Potential

Frust und somit Konflikte kommen immer dann auf, wenn Bedürfnisse, Potential und versteckte Talente nicht gelebt werden können oder dürfen. Das kennst du vielleicht aus deinem eigenen Leben: Du würdest dich gern selbst verwirklichen und z.B. deine Berufung finden und ausleben, aber irgendetwas oder jemand bremst dich aus und es geht einfach nicht weiter. Vielleicht fühlst du dich sogar vom Leben oder anderen Menschen ungerecht behandelt, verstehst die Welt nicht mehr oder gehst in eine leicht bockige Grundhaltung. Logisch, dass du dann zu einer Ersatzhandlung wie übermäßigem Essen, Meckern oder Jammern greifst, auch wenn sie dir selbst nicht gefällt. Die angestaute Energie muss irgendwo hin.

Deshalb: Fördere und fordere dein Tier! Traue ihm mehr zu! Sieh die guten Seiten in ihm und beobachte es aufmerksam: Was kann es besonders gut oder was macht ihm viel Spaß? Gibt es Eigenarten der Rasse, die du durch gezielte Aktivitäten fördern kannst? Hast du z.B. eher einen Jagd- oder einen Hütehund, ein Pferd, das sich eher für Dressur oder zum gemütlichen Ausreiten eignet, eine Katze, die lieber zu Hause ist und nur kurz Luft schnuppern möchte oder einen richtigen Streuner? Versuche bitte nicht, etwas aus deinem Tier zu machen, was ganz offensichtlich nicht seiner Natur entspricht! Sondern fördere stattdessen das, wo es mit Begeisterung dabei ist, auch wenn du erst herausfinden musst, was das ist. Traue deinem Vierbeiner mehr zu, z.B., dass er sich mit deiner Hilfe weiterentwickeln kann. Eine Freundin von mir hat z.B. eine Katze, die zunächst im Tierheim regelrecht Stress mit allen Artgenossen hatte und die dann logischerweise erst einmal als Einzelkatze gehalten wurde, als sie bei ihr einzog. Dennoch gab es oft Probleme mit anderen Freigängern, die sich in das Revier der Katze getraut haben. Sie hat es jedes Mal stark verteidigen müssen. Ihre Halterin hat den Charakter der Samtpfote schnell richtig eingeschätzt und sie auf sanfte Weise und mit sehr viel Geduld dann Schritt für Schritt an andere Katzen (in diesem Fall haben wir die Desensibilisierung mit meinen beiden Katern zusammen vorgenommen) gewöhnt. Inzwischen gibt es in Bezug auf fremde Fellnasen keinerlei Probleme mehr und jetzt lebt sogar eine weitere Katze im Haushalt. Dies war aber nur durch ganz kleine, sanfte Schritte möglich und indem meine Freundin immer wieder darauf geachtet hat, dass nicht gegen den Willen ihrer Katze agiert wird. Sie bemerkte recht früh, dass in ihrer Begleiterin das Potential liegt, sich mit Artgenossen zumindest zu vertragen und dadurch ausgeglichener und weitestgehend angstfrei zu sein, auch wenn es bisher noch zu keiner innigen Liebe mit einem anderen Stubentiger gekommen ist (aber wer weiß, was noch kommt!)

So erkennst du das Potential deines Tiers

dog-867238_960_720Wie kannst du also vorgehen? Gehe im Konfliktfall einen Schritt auf dein Haustier zu und versuche, sein inneres Potential zu erkennen, ggf. mit der Hilfe eines Experten wie Hundetrainer oder Tierkommunikator: Was könnte hinter dem Verhalten stecken? Fühlt dein Hund sich schnell durch andere Hunde bedroht und braucht von deiner Seite aus noch mehr das Gefühl von Sicherheit beim Gassi gehen, sodass er die anderen nicht mehr anknurren muss? Sieh deinen Hund in diesem Fall nicht als „Schisser“ oder gar aggressiven Beißer an, sondern erkenne seinen sensiblen Kern und dass er durch eine noch innigere Verbindung und das Zusammenspiel mit dir die Möglichkeit hat, selbstsicherer zu werden.

Vielleicht hält dein Tier auch für dich eine Chance für Weiterentwicklung parat: Schnappt dein Pferd z.B. öfter nach dir und respektiert deine Grenzen nicht, kann das bedeuten, dass es dich noch nicht ganz ernst nimmt und dir damit zeigt „Du darfst ruhig noch mehr die Führung übernehmen, sodass ich dir mehr vertraue und mich gerne unterordne. Auch du hast nicht gelebtes Potential“. Oder aber es ist unterfordert und ihm ist einfach langweilig. Dann kannst du herausfinden, welche neue Aktivitäten ihr gemeinsam für euch entdecken könntet.

Eine Katze, die in die Wohnung pinkelt, die aber eigentlich stubenrein ist und auch keine Krankheit wie eine Blasenentzündung hat, zeigt damit oft Frust an. Es kann sein, dass sie sagen möchte: „Du kümmerst dich zu wenig um mich“ oder aber, dass sie vielleicht sogar von deiner Seite aus Frust spürt und übernimmt, weil du an einer Stelle in deinem Leben dein Potential nicht ausleben kannst und einen inneren Konflikt mit dir herumträgst. Frage dich also immer auch: Was hat das Verhalten meines Tieres mit mir zu tun? Welches Gefühl löst es in mir aus und kenne ich dieses Gefühl aus einem anderen Bereich in meinem Leben? Je mehr du dafür sorgst, dass du wieder in deine innere Balance kommst, umso leichter wird es deinem Tier fallen, sich ebenfalls zu entspannen und zu zeigen, was wirklich in ihm steckt!

Gute Kommunikation schafft Nähe und löst Konflikte

Verurteile dein Tier nicht für sein Verhalten, denn damit verurteilst du ebenso dich selbst! Viele Konflikte lassen sich allein schon dadurch lösen, dass wir die Kommunikation miteinander wieder verbessern und darauf achten, was wir selbst und der andere wirklich brauchen. Geh einen Schritt auf dein Haustier zu, statt weg von ihm. Baue wieder die liebevolle Nähe zu ihm auf, die euch eigentlich verbindet.

Wenn du dabei Hilfe benötigst, kann ich euch beide gerne begleiten und dir zeigen, wie du das wahre Potential aus eurer Beziehung erkennen kannst. So entwickelt ihr euch zusammen weiter und löst Konflikte sehr viel entspannter! Bist du bereit, dein Tier einmal von einer ganz neuen Seite zu betrachten?

Seelenfreunde1Konflikt oder Potential?

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