Katze Miezi: Von der Trauer in die Freude

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Die Geschichte dieser Katze zeigt, wie auch Tiere Trauer überwinden können

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Ich möchte heute die Geschichte einer Katze mit dir teilen, die mir ganz besonders am Herzen liegt. Nicht nur, weil ich es wunderbar finde, die Entwicklung mancher Tiere über Jahre hinweg mitverfolgen zu dürfen, sondern vor allem auch, weil ich noch mehr darüber aufklären möchte, dass auch Tiere alle möglichen emotionalen Zustände durchleben. Auch sie können tiefe Trauer erleben, selbst wenn das nicht ganz so häufig vorkommt wie bei uns Menschen. In der Regel sind Tiere besser als Menschen darin, mit diesen Zuständen umzugehen, wenn wir wissen, wie wir sie darin richtig begleiten können. Falls du also ein Tier kennst, dem es ähnlich geht, kann dir diese Geschichte vielleicht eine Aufmunterung oder Inspiration sein, diesem Tier die nötige Geduld und den nötigen Raum dafür zu schenken.

Trauer kann krank machen – auch eine Katze

2014 lernte ich Miezi kennen, als mich ein Hilferuf einer Bekannten ereilte. Die Katze ihrer Oma war apathisch und es ging ihr auch gesundheitlich nicht so gut. Die alte Dame war selbst gesundheitlich angeschlagen und sie musste längere Zeit im Krankenhaus liegen. In unserer gemeinsamen Sitzung gab Miezi zu erkennen, dass sie sich einsam fühlte und traurig war, weil sie doch sehr an ihrem Frauchen hing. Dass diese jetzt im Krankenhaus war und gesundheitlich so abbaute, nahm die Katze sehr mit. Ich konnte sie durch die Sitzung etwas beruhigen und so war es eine Zeit lang in Ordnung. Doch einige Zeit später starb Frauchen und Miezi verließ nun selbst der Lebenswille. Die eigentlich junge und agile „Glückskatze“ (aufgrund ihrer hübschen Fellzeichnung) war nun gar nicht mehr glücklich und schien selbst durch die lieben Menschen, die sich so lange um sie kümmerten, nicht richtig aufzumuntern zu sein. Sie wirkte schwach und antriebslos, gab zu verstehen, dass sie ihr Frauchen über alles vermisste und nicht ohne sie sein wollte. Sie kam mir so viel älter vor, als sie eigentlich war!

Können Tiere trauern? Ja, sie können! Denn ihr Gehirn ist in der Lage, alle Emotionen freizusetzen, die auch wir Menschen spüren. Auf einer emotionalen Bandbreite von Emotionen wie Ohnmacht und Trauer, die das Gefühl vermitteln, einer Sache hilflos ausgeliefert zu sein, bis hin zu Freude, Liebe und Freiheit, kann auch eine Katze sehr viele Nuancen durchleben! Es geschieht nur meiner Erfahrung nach seltener, dass die „emotionale Kurve“ so stark ausschlägt, weil Tiere sehr gut darin sind, schnell wieder in ihre innere Balance zu finden. In Extremsituationen aber fällt es auch ihnen schwerer. Und so eine Extremsituation war bei Katze Miezi gegeben. Vielleicht hast du auch schon von Hunden gehört, die am Grab ihres Menschen trauern. Tiere sind durch und durch treu! Manche Haustiere können allerdings besser mit dem Tod ihrer Menschen klarkommen als andere. Das bedeutet nicht, dass sie sie weniger lieben, aber vielleicht spüren sie nach wie vor die Verbundenheit zu ihnen und sehen sie nicht wirklich als „fortgegangen“ an.

Es ist ganz natürlich, zu trauern und es ist auch nicht bedenklich, am Tag mehrere ganz unterschiedliche emotionale Zustände zu durchleben. Denn so ist das Leben: Ein Auf und Ab, ein Hin und Her. Schwierig wird es nur dann, wenn wir in einem Zustand hängen bleiben, der uns auf Dauer nicht gut tut und wenn wir da nicht mehr alleine herausfinden. So war es auch bei Miezi. Aber warum war es gerade bei ihr so heftig?

Miezi Trauer Katze

Miezi 2014

Miezis Vorgeschichte – eine Katze, die den Verlust kennt

Miezi hatte schon sehr viel mehr durchgemacht, als das! Ihre Menschen erzählten mir, dass sie zuvor bei einer Familie gelebt hatte, die sie dann aber nicht mehr haben wollte. Davor war sie noch woanders gewesen, aber wo genau sie gelebt hatte, wusste niemand. Zu der alten Dame war sie gekommen, weil diese traurig über den Tod ihrer vorherigen Samtpfote war. So hatte ihre Enkelin ihr bald eine neue Gefährtin gesucht und war auf die Anzeige der Familie gestoßen, die die Katze abgeben wollte.

Im Laufe unserer Sitzungen 2014 und 2015 ergab sich durch Nachfragen mit Hilfe der Tierkommunikation ein umfangreicheres Bild einer Katze, die in ihren ersten Lebensjahren nirgendwo so richtig gewollt war und somit eher schlechte Erfahrungen gemacht hatte. So hatte sie ganz früher wohl einmal mit anderen Katzen zusammengelebt, aber die Atmosphäre dort war nicht sehr angenehm für sie. Die alte Dame schließlich liebte sie zwar sehr, aber auch hier musste sie ja letzten Endes wieder die Erfahrung eines plötzlichen Abschieds machen. In unseren Sitzungen zeigte sich, dass die kleine Glückskatze sich danach sehnte, ihren Menschen Liebe zu schenken und von ihnen wirklich ins Herz geschlossen zu werden. Doch leider hatte sie bisher eben auch schon viele Enttäuschungen und Trauer erlebt. Kein Wunder also, dass der Tod ihrer Freundin sie erst einmal tief fallen ließ.

Neue Zeiten brechen an

Nun saß Miezi also allein in der Wohnung ihrer verstorbenen Freundin und niemand wusste so richtig, was zu tun war, um sie wieder glücklich vermitteln zu können. Ihre gesundheitlichen Probleme wurden auch nur langsam besser. Bald konnten wir ihre Zuversicht jedoch wieder wecken, dass sich noch ein geeigneter Mensch finden würde, bei dem sie länger bleiben dürfte. Nachdem verschiedene „Kandidaten“ jedoch wieder absagen mussten, folgte eine Überraschung: Miezi fand Zutrauen zu der Tochter der Verstorbenen, wenn auch langsam. Nachdem sie bei ihr zunächst nur übergangsweise bleiben sollte, war bald klar: Hier haben sich zwei neue Freundinnen gefunden! Die beiden kannten sich natürlich bereits vorher, aber die Katze brauchte einige Zeit, bis sie ihr Herz voll und ganz für eine neue Person öffnen und wieder Vertrauen fassen konnte.

Die beiden waren dann auch für knapp zwei Jahre ein unschlagbares Team. Die intuitive Kommunikation untereinander funktionierte gut und Miezi wurde so zutraulich, wie sie auch zuvor bei der alten Dame gewesen war.

Man könnte meinen, dass jetzt an dieser Stelle ein „Ende gut, alles gut“ kommt. Aber so einfach ist es nicht immer im Leben!

Denn ab und zu hatte Miezi auch Langeweile. Dieser Zustand kommt dann, wenn Lebewesen Gefühle wie Ohnmacht, Angst und Pessimismus überwunden haben und nun eher neutral eingestellt sind. Dann tut sich erstmal nichts und man fragt sich, ob es das jetzt gewesen ist. Natürlich war der kleinen Katze nicht dauernd langweilig, denn es gab ja auch sehr schöne Momente. Aber es fehlte etwas. Ihr neues Frauchen merkte auch, dass ihre tierische Begleiterin nicht gerne lange allein war und schränkte sich deshalb ein Stück weit ein. Sie war nie länger aus dem Haus, damit Miezi nicht so allein war. Einen weiteren Stubentiger dazu zu holen, wäre in der Wohnung nicht möglich gewesen. Doch immer öfter sah die Frau, wie Miezi vom Balkon aus den anderen Katzen draußen zusah.

Katze und Frauchen gingen gemeinsam durch so manche Höhen und Tiefen, aber manchmal sollen sich Wege eben nur eine gewisse Zeit lang kreuzen. Ich habe es hin und wieder mit Tieren zu tun, die klar signalisieren, dass ihre Zeit bei einem bestimmten Menschen beendet ist und dass sie nun woanders leben möchten.

Miezi hatte da ihre ganz eigene Art, uns dies mitzuteilen. Eines Tages pinkelte sie auf den Teppich, ein Erbstück von der Mutter ihres neuen Frauchens, bei der sie ja zuvor gelebt hatte. Dies tat sie nicht nur einmal, sondern immer wieder. Und das war vollkommen untypisch für sie. In unserer erneuten gemeinsamen Sitzung kam heraus, dass sie ziemlich gut wusste, dass genau dieses Verhalten Frauchen in die Verzweiflung treiben würde, aber dass es ihr auch helfen würde, sich langsam von der Katze zu trennen. Dieses Verhalten war ihre Art zu zeigen „Danke für unsere tolle Zeit, aber jetzt steht eine Veränderung an!“. Die Katze spürte, dass sich auch bei Frauchen einige persönliche Veränderungen ankündigten und dass sich dafür die Wege der beiden auf sanftere Weise als mit ihren vorherigen Menschen trennen müssten. In unserer anschließenden gemeinsamen Sitzung wurde noch einmal deutlich, dass sie Frauchen den Weg für diese Veränderungen frei machen wollte, ohne dass diese sich für irgendetwas schuldig fühlen müsse. Außerdem wollte die Glückskatze, die ja ohnehin nur übergangsweise hatte bleiben sollen, gerne in einen Haushalt mit anderen Katzen, um dort noch mehr Abwechslung zu haben. Der Entschluss, sich jetzt wirklich voneinander zu verabschieden, fiel natürlich beiden Seiten nicht sehr leicht.

Meli Katze Trauer

Aus Miezi wird Meli – 2016

Aus der Katze Miezi wird Meli – ein neues Leben?

Durch Zufall, den es ja bekanntlich nicht gibt, erzählte ich einer guten Freundin von der kleinen Katze und dass wir nun ein liebevolles neues Zuhause suchten. Obwohl meine Freundin bereits zwei Kater hatte und nicht konkret nach einer dritten Katze suchte, machte etwas bei ihr „klick“ und sie horchte auf, wollte mehr über die Katze erfahren. Nachdem sie ein Bild von Miezi gesehen hatte und ihre beiden Kater sowie Miezi in Bezug auf eine Zusammenführung befragt worden waren, war bald klar, dass sie hier ein neues Zuhause finden würde.

Meine Freundin holte sie also einige Zeit später aus ihrem alten Zuhause ab. Die beiden verstanden sich auf Anhieb gut, aber bereits im Auto bemerkte sie, dass Miezi starke emotionale Prozesse durchmachte. Das Auto füllte sich schnell mit Traurigkeit und einem Tick angestauter, alter Wut. Sie musste erst einmal ihre Ängste loswerden, die noch sehr tief in ihr saßen. Könnte sie jetzt wirklich Vertrauen fassen, dass sie ein dauerhaftes Zuhause bekommt und dort nicht die schlimmen Dinge erlebt, die sie anscheinend in den ersten beiden Stationen ihres Lebens durchgemacht hat?

Im neuen Heim angekommen musste Miezi dann auch erst einmal sehr viel verarbeiten und brauchte ihre Ruhe. Das Ankommen war nicht so sanft wie erhofft, denn plötzlich knurrte und fauchte sie meine Freundin an und die Kater waren ihr auch nicht wirklich geheuer. Natürlich kann so etwas immer bei einer Katzenzusammenführung vorkommen. Doch man merkte schon, dass diese Katze ganz besonders etwas zu verarbeiten hatte und dafür ihren „Raum“ brauchte! Die ersten Tage hatte sie das Wohnzimmer für sich allein und wurde von meiner Freundin liebevoll „der kleine Drachen“ genannt, da sie doch recht ähnliche Geräusche von sich gab, wenn man sich ihr näherte. Dennoch gab es bereits in diesen ersten Tagen auch immer mehr Fortschritte, bis hin zum erstem Streichelndürfen und einer Begrüßung an der Tür, als ich zu Besuch kam.

Meine Freundin ging bei alldem äußerst sensibel vor, auch wenn es manchmal schwer für sie war, dass die neue Katze ab und zu auf ihre beiden wirklich sehr friedvollen Kater losging, wenn diese ihr zu nahe kamen. Um ihr zu helfen, ihre Vergangenheit besser abzuschließen und auch auf den eigenen Wunsch der Katze, gab sie ihr einen neuen Namen, der aber dennoch ähnlich wie der alte klingt. Aus Miezi wurde Meli.

Obwohl Meli jetzt noch nicht einmal einen Monat bei den dreien lebt, hat sich seitdem wirklich sehr viel verändert! Meli ist in meinen Augen wirklich eine neue Katze geworden, auch wenn ihr Wesenskern natürlich gleich geblieben ist. Die emotionalen Ausbrüche, die sie z.B. auch durch Malträtieren des Kratzbaums auslebte, kamen anfangs in Wellen und nahmen dann immer mehr ab. Es half ihr dabei sehr, dass sowohl die Kater als auch meine Freundin viel Geduld mit ihr hatten und sie offen empfingen. Wir konnten recht schnell sehen, welches Potential sie in sich trägt und dass die drei Katzen noch gute Freunde werden können. So haben sie sich inzwischen einander auch weiter angenähert und liegen z.B. schon zu dritt mit auf dem Bett, wenn alle gemeinsam entspannen.

Von der einstmals sich in Trauer befindenden Katze ist nichts mehr übrig geblieben, denn Melis Lieblingsbeschäftigungen sind Schmusen, verspielt durch die Wohnung rennen und den Besuch freudig begrüßen. Für mich verkörpert sie jetzt durch und durch die Freude, denn jeder, der mit ihr zu tun hat, bekommt gute Laune! Natürlich hoffen wir, dass es jetzt so bleibt und dass dieses Zuhause wirklich ihr „Ankommen“ sein darf.

Kennst du ähnliche Beispiele von Tieren, die eine solche Wandlung durchgemacht haben?

Seelenfreunde1Katze Miezi: Von der Trauer in die Freude

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