[vc_row][vc_column width=“1/1″][heading]Gelebtes Versprechen, Interview Teil 1[/heading][vc_column_text]

Heute möchte ich euch ein ganz besonderes Tierschutzprojekt vorstellen: Freunde des Greif – Gryphos, eine Station für Greifvögel, die aus schlechter Haltung gerettet wurden und hier nun ein neues, mit Liebe getragenes Leben führen dürfen. Viele der Tiere, die früher einmal für Flugshows abgerichtet wurden, kamen mit starken Verletzungen und Traumata in die Station und wurden hier nun wieder liebevoll aufgepäppelt. Von den ursprünglich 18 geretteten Tieren sind jetzt nach 8 Jahren noch 5 übrig – wenige leben in Spezialkliniken und die anderen haben die Verletzungen leider nicht überlebt bzw. haben nach einiger Zeit auf der Station inzwischen einen sanften Abschied von ihren Pflegern genommen.

Da die Tiere aufgrund ihrer Gewöhnung an Menschen nicht mehr ausgewildert werden können, haben sie nun also ein neues Zuhause bei Gryphos gefunden. In der Station, die übrigens in der Schweiz liegt und die auch einen zugehörigen Verein hat, müssen sie keine Shows mehr fliegen und haben geräumige Gehege. Nicole Badertscher, die die Tiere von Anfang an in der Greifstation begleitet und versorgt, hat meiner Meinung nach zusammen mit ihrem Team über die letzten Jahre tolle Arbeit geleistet, da sie dazu beigetragen hat, dass das Vertrauen der Greife in den Menschen langsam wieder wächst. So ist die Station auch für Besucher geöffnet und jeder hat dort die Möglichkeit, in Kontakt mit diesen wunderschönen Tieren zu kommen. Nicole sagte mir, dass die Vögel sich bei dieser Begegnung so verhalten dürfen, wie sie es gerade wollen: An manchen Tagen zeigen sie freiwillig und ganz ohne Zwang ihre Flugkünste, an anderen Tagen sind sie eher ruhig. Aber es besteht die Möglichkeit, in direkten Kontakt mit ihnen zu kommen und sie auch zu streicheln. Dies ist sicherlich eine Begegnung, von der beide Seiten sehr profitieren!

Aktuell sieht es leider so aus, dass sich die Rahmenbedingungen um die Station geändert haben: Das Gewerbegebiet, in der sie beheimatet ist, verändert sich langsam. Es kommt immer mehr Lärm hinzu, der gerade für die Ruhe suchenden Tiere nicht sehr angenehm ist. Außerdem kann die Wiese, die die Vögel für den Freiflug nutzen durften, künftig nicht mehr länger für diese Zwecke verwendet werden. Daher ist der Verein nun auf der Suche nach einem neuen Gelände.

Ich habe mit Nicole gesprochen und sie gebeten, mir noch ein paar Fragen zu ihrer Arbeit schriftlich zu beantworten, damit ich sie hier mit euch teilen kann.

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Nicole über ihr Leben mit Greifvögeln

Greifvogel Gryphos SteinadlerLiebe Nicole, vielen Dank, dass du dir für das Interview Zeit nimmst! Kannst du uns noch ein wenig mehr darüber berichten, wie genau ihr mit den Tieren zusammenarbeitet? Wie sieht der Alltag auf der Station aus?

Liebe Sonja, zuerst möchte ich mich ganz, ganz herzlich für Dein charmantes Interview bedanken. Und auch für die Gelegenheit, hier von diesen herrlichen Geschöpfen zu erzählen.

Als ich meinen verstorbenen Partner, den Gründer der Station, kennen lernte, dachte ich im ersten Moment: „Misshandelte und traumatisierte Greifvögel, gibt es das? Wer tut denn so was? Zudem mit Greifvögeln zusammenarbeiten und sogar eine Beziehung aufbauen?“ All das konnte ich mir damals überhaupt nicht vorstellen. Und ganz allgemein war ich der Auffassung, dass Vögel an den Himmel gehören und nicht in Käfige gesperrt. Heute denke ich, bis auf den letzten Punkt, ganz anders darüber.

Die Zusammenarbeit mit solchen Tieren kann nur auf gleicher Augenhöhe stattfinden. Das heißt, dass Dein Ego komplett außen vor bleiben muss, um von diesen Tieren akzeptiert und angenommen zu werden. Und Du benötigst Konsequenz in Deinen Handlungen, denn sonst tanzen sie Dir auf der Nase herum, respektive auf dem Kopf. Die Arbeit mit diesen Tieren bedingt eine extreme Sanftheit im Umgang mit ihnen. Man darf dabei nie vergessen, dass, auch wenn sie in Menschenhand aufgewachsen sind, sie immer noch Wildtiere sind und entsprechend ihren Möglichkeiten ihre Waffen, Krallen und Schnäbel, blitzschnell einsetzen, um sich auszudrücken. Ganz am Anfang waren die Tiere zum Teil noch sehr aggressiv. Verständlich, sie mussten ja erst wieder lernen, dass Menschen auch gut zu ihnen sein können. So kam es oft vor, dass sie mit den Krallen zuschlugen. Das konnte die Hände oder auch mal ins Gesicht treffen. Nun war es extrem wichtig, bei solchen Vorkommnissen nicht mit Aggression zu reagieren, sondern ihnen mit Sanftheit zu begegnen. Wirst du in solchen Situation doch ungehalten, dann geht das aufgebaute Vertrauen blitzschnell verloren, und es ist nicht sicher, ob du es wieder aufbauen kannst. Ich hatte immer gedacht, dass Elefanten ein super Gedächtnis haben, doch auch Greife vergessen nie!

Heute dürfen wir ohne weiteres die Gehege betreten und können uns darin frei bewegen, ohne dass die Tiere ihr Zuhause verteidigen. Wir putzen die Gehege jeden Tag, ausgenommen an den Fastentagen, und anschließend widmen wir uns den einzelnen Tieren. Sie werden gewogen und bekommen, falls sie es wollen, Streicheleinheiten. Der Zustand des Kots, ihr Gewicht und ihr Aussehen lassen uns Rückschlüsse auf ihre Gesundheit ziehen. Das gehört zur täglichen Routine, denn wenn bei einem Greif eine Krankheit ausbricht, dann ist ein sofortiger Besuch beim Tierarzt angesagt. Falls alles stimmt und sie Lust haben, dann können sie anschließend auch frei fliegen. Greifvögel sind keine Vegetarier, sie fressen allerlei Kleingetier. Das war für mich anfänglich eine Herausforderung mit Eintagsküken, Ratten, Mäusen, Truten- und Hühnerhälsen zu hantieren. Ich musste auch schon verunfallte Rehe ausnehmen. Das hat mich einiges an Überwindung gekostet. Doch dann zu sehen, wie freudig die Einen, oder auch skeptisch die Anderen an das Futter gehen, das war köstlich mitanzusehen. Jeder verteidigte dann auf seine Art seine „Beute“. In der freien Wildbahn fangen die Greife nicht jeden Tag etwas. Das ahmen wir durch einen Fastentag nach. So gibt es im Winter ca. alle 9 Tage und im Sommer an jedem 7. Tag einen Fastentag. Dass sind dann meine „Sonntage“. An einem Nachmittag in der Woche kommen dann noch zwei liebe Frauen, und wir arbeiten gemeinsam mit den Tieren.

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Gryphos GreifvogelWelche Vogelarten leben bei euch?

Heute ist eine bunte Truppe von fünf Greifen auf der Station. Sako, der Sakerfalke, ist ein Clown und bringt mich immer wieder zum Lachen. Mit seine maximal 160 km/h ist er pfeilschnell – wenn er dazu Lust hat. Die beiden Wüstenbussarde könnten unterschiedlicher nicht sein. Blacky ist ein frecher Gauner, und Taro ist eher scheu, zurückhaltend, und er bringt fast all seine Anliegen mit konstanter, gut verpackter List durch. Dann unsere Lady Savia. Sie ist ein richtiger Schatz von einer Schneeeule, und wir haben ihr wegen ihres Watschelgangs den Übernamen „Madame Trussardi mit den Einkaufstaschen“ gegeben. Und zuletzt der König der Lüfte, unser Steinadler Terzi. Bei ihm vereinen sich Kraft, Wissen und Sanftheit. Er ist wirklich absolut majestätisch und beherrscht seine Umgebung mit beeindruckender Souveränität.

Einige Tiere haben neben den Verletzungen auch schwere Traumata. Wie ist es euch gelungen, sie wieder gesund zu pflegen? Was ist deiner Meinung nach das Wichtigste im Umgang mit traumatisierten Greifvögeln?

Hier gibt es nur zwei Worte, die man wie ein Mantra ständig beten muss: Geduld und Sanftmut.

Bei den verletzten Tieren war es wichtig, dass wir ihnen nach jeder Intervention zeigten, dass sie mit ihren Ängsten einfach sein durften, wie sie sind. Ihre Gegenwehr beim Verarzten etwa ließen wir zu und waren ihnen nicht böse. Bei den schwer traumatisierten Tieren mussten wir zum Teil zuerst herausfinden, was sie überhaupt traumatisiert hatte, diesen Effekt dann eliminieren und ihnen mit sanften, ruhigen Bewegungen begegnen. Durch das einfache Verharren auf dem Handschuh gewannen sie wieder Vertrauen. So zum Beispiel bei Sako, der früher in einem kleineren Verschlag ohne Sicht nach draußen untergebracht war. Bei ihm war jedes Gehegeputzen oder jedes Näherkommen ein Anlass, wie am Spieß zu schreien. Aber mit dem Füttern getraute er sich allmählich auf den Handschuh. Doch wehe die Hand oder das Gesicht waren zu nah, dann schlug er zu. So traf er zwei Mal beinahe mein Auge. Ich blutete wie verrückt, doch ich durfte mir das nicht anmerken lassen und musste weiterhin sanft mit ihm umgehen. Das stärkte langsam sein Vertrauen.

Ganz generell ist der Umgang mit traumatisierten Greifen geprägt von Sanftheit, Beständigkeit und Geduld, Geduld und nochmals Geduld. Wir müssen in der Arbeit mit ihnen in kleinsten Schritten vorwärtsgehen und uns ganz auf das Tempo der Tiere einlassen. Auch hier ist es wichtig, unseren Egoismus fortzulassen und uns sogar nur im Geheimen an den Fortschritten zu erfreuen. Auf diese Weise gewöhnen wir die Vögel an ein friedvolles Miteinander und erweitern so ihre Perspektive.

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Gryphos GreifvogelDu hast mir erzählt, dass du zu einigen der Tiere bereits eine besonders innige Beziehung aufgebaut hast. Würdest du sagen, dass man eine genauso tiefgehende Beziehung zu Greifvögeln aufbauen kann wie zu „normalen“ Haustieren? Was liebst du besonders an ihnen?

Die Beziehung zu Greifen ist weder vergleichbar mit Hunden noch mit Katzen. Eher noch mit Wolfhunden, doch ohne deren „Schmeicheleien“. Die Beziehung zu ihnen kann nur auf gleicher Höhe stattfinden und muss voller Respekt und Vertrauen zueinander getragen sein. Greifvögel sind Individualisten und suchen sich ihre Menschen selber aus. Hier stehen nicht deine eigenen Präferenzen im Vordergrund, sondern nur das Tier entscheidet. Und zwar absolut. Wenn du dich dann voll und ganz darauf einlässt, kann eine extrem tiefe Beziehung entstehen. Sichtbar ist das zum Beispiel, wenn die Greife mein Auto erkennen, sobald ich vorfahre. Oder wenn sie schon gespannt auf ihre bevorzugte Person warten und alles andere außer Acht lassen. Auch, dass man mit ihnen „schmusen und blödeln“ kann. Doch das noch viel Spannendere an einer solchen Beziehung ist das, was auf einer anderen Ebene zusätzlich entstehen kann. Diese Tiere blicken Dir direkt ins Herz. Hast du dann die Chance, dich auf dieser Ebene zu öffnen, dann überbrückt diese Beziehung den gewohnten Raum. Es ist ein Gefühl, das kaum zu beschreiben ist, es ist tief, innig und – ach – es ist Liebe pur. Ja, so würde ich es bezeichnen.

An den Greifen liebe ich besonders, dass sie nicht bestechlich sind, sie immer sie selbst sind und dir uneingeschränkt ihre Zuneigung oder – im schlechteren Fall – ihre Abneigung zeigen. Jetzt, gleich, augenblicklich. Sie sind durch und durch in ihrem Geist frei und lassen sich nicht dressieren.

[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column width=“1/1″][divider][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column width=“1/1″][vc_column_text]Dies war der 1. Teil des Interviews. Im 2. Teil geht es darum, was wir Menschen sonst noch durch den Umgang und das Beobachten der Greifvögel lernen können sowie um die Zukunft des Projekts Gryphos. Bist du neugierig? Dann kannst du direkt hier weiterlesen![/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]